Jeder Künstler ist ein Mensch!

Neues Atelier Frankenstraße 43 in Eicks. (53894 Mechernich)

Wirkliches Lernen wird durch Irritationen ausgelöst.
Kunst kann neue Sichtweisen erzeugen, mehr Möglichkeiten aufzeigen.
"In meinen Arbeiten versuche ich die verschiedenen Perspektiven und Wirklichkeiten durch

  • Bilder in gegenständlicher und abstrakter Form zum gleichen Thema oder Motiv und durch
  • Fotos, die die Schönheit des Banalen (GB Museum, oder Kuriositäten (Sackgasse, Spielplatz) zeigen
  • sowie mit Reflexionen des Alltäglichen (z.B. Bilder aus Unternehmen in einem neuen Kontext zeigen: Absauger) aufzuzeigen"

Kunst ist eine Form emotionalen Erkennens, die Unbewusstes sichtbar macht und neue Möglichkeiten erzeugt."

Und was soll Kunst sein?

Kunst kommt nicht von Können - zumindest nicht nur.  Ansonsten müssten die perfekten Kopien der Mona Lisa in jedem gewünschten Format ebenfalls Kunst sein. Diese Malereien sind sicher gutes Handwerk, aber eben keine Kunst. Können ist vielleicht eine wichtige, aber keine hinreichende Voraussetzung für Kunst.

Kunst erzeugt neue Sichtweisen, durchbricht Wahrnehmungsroutinen und irritiert. Sie fördert so das Lernen und die Erkenntnis. Kunst folgt einer Intention, will anstoßen, deutlich machen, selektieren. Kunst wirkt nicht trivial, weil sie unübersehbare Folgen hat.

Künstler sind Menschen, die Dinge aus sich selbst heraus erschaffen, Künstler kann jemand sein, der sich mich Gestaltungen beschäftigt, ohne Zweck und nicht des Geldes wegen. So hat schon der Soziologe Georg Simmel den Künstler definiert und vom Kapitalisten unterschieden.
Menschen brauchen Bereiche, denen sie sich mit Hingabe und rein aus sich selbst heraus widmen, besonders in einer Welt, die effizienz- und geldorientiert ist. Der Kapitalist ist der Mensch, der Dinge tut, um Geld und Bedeutung zu mehren. Der Künstler ist der Mensch, der Dinge tun muss, egal ob es dafür extrinsische Belohnungen gibt oder nicht (Georg Simmel).   

Mir ist kein namhafter Künstler bekannt, der sein künstlerisches Schaffen mit der Absicht begonnen hat, viel Geld zu verdienen. Auch Andy Warhol oder heute Damien Hirst haben nicht mit einem Erwerbsinteresse begonnen. Wenn überhaupt spielen sie mit dem Kapitalismus, bemächtigen sich seiner Prinzipien, um die Zusammenhänge deutlich zu machen.

Künstler streben ein unabhängiges Leben an, sind nicht verfügbar, lassen sich nicht kaufen. Gerhard Richter dekorierte in den 80ern zwar den Geschäftsbericht der Deutschen Bank, doch motiviert die „Malmaschine aus Köln-Hahnwald“ sicher nicht der Mammon. Er stiftet seine eigenen Werke und kann nicht anders, als jeden tag in seinem Atelier zu wirken. Andere lieferten und liefern Vorlagen für Werbung und lassen sich von mächtigen Unternehmen für ihr Schaffen bezahlen. Das ist in der Kunstgeschichte nichts Neues. So haben schon mittelalterliche Künstler, wie zum Beispiel Cranach als erfolgreiche Unternehmer agiert, Werkstätten mit Handwerkern und Gehilfen unterhalten und im Auftrag der Mächtigen (Kirche, Fürsten) geschaffen.

 

Kunst will nicht gefallen, kann aber ....
Kunst, die gefallen will, mutiert schnell zum Design oder reiner Dekoration.

Bedeutsam erscheinen mir bei der künstlerischen Gestaltung der Prozess und der Kontext.

Zahlreiche Objekte der Konzeptkunst, der Minimal Art und anderer sind ohne die Entstehungsbedingungen gar nicht einzuschätzen und zu verstehen. Zahlreiche „Kunstwerke“ sind einfach reproduzierbar und wirken ohne Erläuterung banal (so besonders in der Konzeptkunst). Ihre Bedeutung erfahren sie erst im Kontext ihrer Entstehung. Besonders bedeutsam erscheint mir zudem der Dialog zwischen Künstler und Betrachter. Erst im sozialen Kontext bekommt Kunst Bedeutung verliehen.

Der Kunsthistoriker Boris Groys hat auf einen weiteren wichtigen Punkt aufmerksam gemacht. Kunst wird weniger museal, entsteht in allen Lebensbereichen, medial in intensiver Interaktion. Graffiti als öffentliches Zeichnen, Parcouring und Skateboarding als kunstvolle Tänze, Hip Hop, Poetry Slam sind Kunstformen, die im Internet zelebriert und diskutiert werden und sich ganz neuer Formen der Entstehung und Präsentation bedienen. Im übrigen erfordern diese Künste ein durch emsiges Üben erlangtes Können.

Diese neuartigen Beispiele zeigen, was Beuys programmatisch mit seinem „Jeder ist ein Künstler“ meinte. Heute kann jeder Künstler und überall Kunst sein, wenn es nicht kommerziell, aus eigenem Antrieb geschieht und neue Sichtwiesen und Formensprachen erzeugt.

Kunst ist also Ausdruck des Unbewussten, der inneren Antriebe und Emotionen. Künstler wird der Mensch durch seine Haltung und sein Selbstbewusstsein. Im übrigen hat ja Martin Kippenberger das Diktum von Beuys gewendet, in dem er sagte, das jeder Künstler auch ein Mensch sei und die Bilder einfach gemalt werden müssen. KünstlerIn ist nicht die, die Bilder verkauft, sonder diejenige, die nicht anders kann, als Kunst hervorzubringen. Künstler*innen entziehen sich der Verfügbarkeit in der modernen Gesellschaft, leben damit oft im Zwiespalt zischen Existenzsorgen und Selbstbestimmung und gewinnt gerade aus diesem Spannungsverhältnis immer wieder neue Ideen und Energie. Viele Menschen mehr als heute würden diesen Weg der Unabhängigkeit wählen, wenn es dazu eine Basis gäbe. So wäre eine Gesellschaft mit einem unbedingten Grundeinkommen, kosten- loser Bildung und einem fair geregelten Markt ein Kontext, in dem sich Menschen mit Respekt und Wertschätzung begegnen würden und alle eine faire Chance bekommen. Künstler haben auch die Aufgabe, für solch eine Kultur einzutreten und die Trivialisierung der Menschen im Massenkonsum und in der vermachteten Wirtschaft zu verhindern.  Alle selbstbestimmten, gebildeten und unabhängigen Menschen sind den Mächtigen schon immer unheimlich, weil schlecht regierbar. Deswegen wird versucht, sie verfügbar zu machen, ihnen den Mut zu nehmen und sie zu ängstigen. Kunst kann hier Auswege bieten, die Möglichkeiten erweitern.

Mein eigener Antrieb:

Selbst stamme ich aus einer Familie, oder besser gesagt aus einem Familienbetrieb. Alles kreiste um das Wohl der Firma, alle Werte, alle Gespräche leiteten sich daraus ab. Ich sollte nicht Schiller oder Hesse lesen, sondern Biedenkopf und die FAZ.  Ich wollte mich mit Literatur und Kunst beschäftigen, doch war ich vorgesehen für die Rolle des Unternehmenslenkers. Es war die „Kindheit eines Chefs“.

Kunst ist dann eine Haltung, diesen Zumutungen zu entrinnen.
Das Studium der BWL wurde gesponsert, Kunst, Sport oder Philosophie hätte ich gerne studiert, hätte aber zu einem Bruch mit der Familie geführt. Bewundern sollte ich erfolgreiche Unternehmer, begeistern konnte ich mich aber nur für große Geister, denen der schnöde Mammon egal war.

So verband ich das Notwendige mit dem Nützlichen. Studierte BWL, Politologie nebenher und strebte auf dem direkten Weg eine Position als Dozent an, um eine sichere Existenzbasis zu haben. Seit 1992 bin ich nun Hochschullehrer im Wirtschaftsbereich und habe mich dabei immer mit Kreativität, Innovation, Kommunikation und Lernen beschäftigt.

So vermischen sich die Sphären des Managements, der Forschung, der Beratung und der Kunst. Interessant erscheint für mich immer, in die spröden Systeme der Wirtschaft einzudringen und hier Veränderung zu erzeugen. So zähle ich auch Projekte der Aktionsforschung in Unternehmen und Institutionen zu meinem Kunstschaffen.

Es geht mir dabei nicht um Geld, ich folge einer klaren Intention der Veränderung hin zu Respekt, Mitwirkung, Selbstorganisation und Dialog. Es bedarf großer Erfahrung (Handwerk) und kreativer Irritation (Kunst), um diese Veränderungsprozesse zu initiieren und zu einem guten Resultat zu führen. Es ist eine Kunst des Gelingens.[1]  

Gustav Bergmann, Köln 2019
[1] Ausführlich in Buchform G. Bergmann, Kunst des Gelingens, Sternenfels 1999/2014